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Die Eisbären Berlin sind zu Gast in Berchtesgaden

Hier der Link zum Erkundungsvideo von "BULLY", dem Berliner Maskottchen der Eisbären. Wir freuen uns über den "hohen" Besuch. Vom 19. bis 23. August sind die Eisbären im Trainingslager in der Eishalle Berchtesgaden. Auch der Nachwuchs des EV Berchtesgaden darf mit den Profis kurz auf´s Eis.

 


Spende an den EVB

 

Wir sagen DANKE!
Großzügige Spende an den EVB. Florian Schäfer, Sylvester Schäfer und Markus Wildmann nahmen diese am 31. Mai 2019 gerne entgegen. Danke an die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost eG.


Bericht von Hans-Joachim Bittner im Berchtesgadener Anzeiger am 6. März 2019

Der EVB hat viel Leidenschaft gewonnen

 

Ehemalige Profi-Eiskunstläuferin Eva-Maria Fitze (36) trainiert dreimal die Woche den Nachwuchs in Berchtesgaden

 

Berchtesgaden. „Irgendwie“, sagt Eva-Maria Fitze, „passen der Eiskunstlaufsport und ich gar nicht zusammen“. Und doch war sie in diesem Sport deutsche Spitze und erreichte ihr großes Ziel, die Teilnahme an Olympischen Spielen. 2006 lebte und erlebte sie in Turin vor allem den Ursprungsgedanken unter den fünf Ringen: „Dabeisein ist alles, auf mich traf das zu 100 Prozent zu“, lacht sie im Gespräch mit dem „Berchtesgadener Anzeiger“. Denn sportlich klappte es auf dem Eis nicht so gut wie erhofft. „Aber das macht nichts. Ich habe das alles intensiv genossen und aufgesogen.“ Nach 15 Jahren Leistungssport war nach Olympia endgültig Schluss.

Eva-Maria Fitze lebt in Rosenheim und „besitzt“ seit vergangenen Herbst lokalen Bezug zum Berchtesgadener Land – als Trainerin beim Eislaufverein des Marktes, Abteilung Eiskunstlauf. Als sie Marcela Schwaiger kennenlernte, entstand eine Freundschaft, die beide Stück für Stück vertieften. Bis heute. Und der Berchtesgadenerin, seit rund einem Jahr Abteilungsleiterin der Eiskunstlaufsparte, gelang es, die ehemalige Profisportlerin beim viertägigen Sommercamp des Vereins im August für ihren EVB zu gewinnen. Dort trainiert die 36-Jährige seit dieser Saison dreimal pro Woche den Nachwuchs, 17 Mädchen ab fünf Jahren und Jugendliche bis 18. „Leider haben wir keine Jungs, es wäre schön, wenn sich uns welche anschließen würden“, ist Eva-Maria Fitzes großer Wunsch. „Und wenn sie nicht Eiskunstlauf machen wollen, können sie zum Eishockey gehen, wir haben eine gute Kooperation mit den Puckjägern“. Den Ort am Fuße des Watzmanns sieht die gebürtige Dachauerin als große Herausforderung: „Hier kann ich etwas ganz Neues aufbauen, das wollte ich immer schon mal machen.“

Den Egoismus abschaffen

Sie denkt nicht klein, sie denkt weiter: „Der Eiskunstlauf fristet in Deutschland ein Mauerblümchen-Dasein. Dem möchte ich entgegenwirken, mit neuen Ideen“. Das Problem: „Wir haben es in diesem Sport mit einer egoistischen Gesellschaft zu tun. Schon immer. Hier ist jeder sich selbst am nächsten. Das gefällt mir nicht, weil ich da eigentlich gar nicht hingehöre. Ich sehe mich als Paradiesvogel.“ Zielorientiert blickt Eva-Maria Fitze auf andere Sportarten, beispielsweise zum wenige Meter entfernt beheimateten Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD): „Ich fahre auf dem Weg zur Eishalle oft bei denen vorbei und sehe die Kennzeichen: Tschechien, Polen, Schweiz – die Bobfahrer leben jenen Teamgeist, den ich mir beim Eiskunstlauf wünsche, sogar nationenübergreifend. Bei uns wollen ja nicht mal die einzelnen Vereine etwas miteinander zu tun haben“. Als Personaltrainerin denkt Eva-Maria Fitze sogar an eine Zusammenarbeit mit anderen Verbänden. „Warum nicht, wir können sicher voneinander profitieren“.

Mit fünf oder sechs Jahren kam Eva-Maria Fitze zum Eiskunstlauf: „Meine Mama hat mich Ende der 1980er-Jahre immer wieder mal zur Freieisfläche nach Dachau mitgenommen. Als Kind war ich ein Multitasking-Sporttalent, habe Tennis gespielt, bin Ski gefahren, war im Ballett und beim Tanzen.“ Dann kam ihre Liebe zum Eis, und der Ehrgeiz: „Ich wollte unbedingt die Pirouette lernen und verstand damals nicht, warum mir meine Mama die nicht beibringen konnte. Sie war doch meine Mama, die kann doch alles“, zuckt sie mit den Schultern und lacht heute darüber. Durch einen Zufall lernte sie eine Eislauf-Preisrichterin kennen, die sie nach München brachte. Dort wurde rasch das Talent von Eva-Maria entdeckt, sie wurde gefördert und mit acht Jahren im Bundesleistungsstützpunkt aufgenommen. „Das ging alles rasend schnell“, kann sie es selbst in ihrer Rückschau knapp drei Jahrzehnte später kaum glauben. 

Sieben Jahre später war sie Deutsche Meisterin. „Das ging alles fast ein wenig zu schnell, ich konnte den Erfolg gar nicht richtig greifen und bekam gesundheitliche Probleme“. Trotz zahlreicher Rückschläge setzte sie sich durch und bekam ihr Leben als Profisportlerin im Rampenlicht der Öffentlichkeit – mit den Medien haderte sie oft – in den Griff. Als Höhepunkt folgte Olympia 2006 in Turin, als Paarläuferin mit Rico Rex. Das war ihr größtes Ziel, genauso wollte sie sportlich abtreten: „Danach konnte ich meine Schlittschuhe zufrieden an den Nagel hängen“. Sie brach zunächst mit dem Sport, weil sie viel mitgemacht und weniger Positives in diesem Zusammenhang erlebt hatte. „Es war nicht immer ganz fair“. Im Grunde konnte Eva-Maria Fitze ihr Sportler-Herz aber nicht verleugnen – und fand wieder zum Eiskunstlaufen zurück.

Bei zwei Vereinen gut aufgehoben

„Ich habe mich gefunden, fühle mich jetzt bei zwei Vereinen gut aufgehoben“. Neben dem EV Berchtesgaden gehört Eva-Maria Fitzes Herz dem EHC Klostersee. Dort betreut sie zusammen mit ihrer früheren Trainerin Steffi Ruttkies den Eiskunstlauf-Nachwuchs und einmal pro Woche die Eishockey-Bambini. Die dann doch zeitaufwändigen Fahrten zu den Trainingseinheiten in der Berchtesgadener Eishalle an der Schießstätte machen ihr nichts aus: „Weil mir die Arbeit mit den Kindern einfach so unglaublich viel Freude macht und mich in vielerlei Hinsicht bereichert.“ Beim EVB kann sie etwas bewegen, das reizt sie.

Bei allem Ehrgeiz des Nachwuchses auf dem Eis versucht Eva-Maria Fitze stets, die richtige Mischung aus spielerischen Elementen und der nötigen athletischen Ausbildung zu finden: „Freilich muss mal der Riegel vorgeschoben werden, um sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren zu können. Das Wohlfühlen ist aber genauso wichtig“. Schließlich wollen die für die Trainerin „allesamt großen Talente“ weiterkommen. Sie steht mit den Kindern auf Augenhöhe und ist sich für nichts zu schade. „Der Eisläufer wird jedoch im Trockenen ausgebildet“, sagt sie. Heißt: „Viel Athletik-, Kraft- und Ausdauer-Training, um den Körper fundamental aufzubauen“. Die ausgebildete Personaltrainerin spricht aus Erfahrung. Eine ganze Portion Disziplin ist also für all jene elementar wichtig, die etwas erreichen wollen. Eva-Maria Fitze setzt auf ein dynamisches, individuelles Gruppen-Training, um jedem einzelnen das Erreichen der Ziele zu ermöglichen. Dabei wird sie unter anderem von erfahreneren Läuferinnen wie Sarah Rau oder Katrin Riedelbauch unterstützt, ehemalige Sportlerinnen des Bundesstützpunktes München. „Ich kenne und schätze beide seit Jahren, wir sind ein tolles Team“. Eva-Maria Fitze ist glücklich, dass Vorstandschaft und Trainerteam „eine Sprache sprechen“.

EVB ohne Druck nach oben bringen

Die C-Trainerschein-Inhaberin (Leistungssport) im Eiskunstlauf und im Snowboard (Breitensport) hat Großes vor, will in ihrem Sport viel verändern. „Jedes Jahr ein neues Regelwerk macht das Eiskunstlaufen ein Stückweit kaputt. Ich werde mich für mehr Kontinuität und Transparenz einsetzen“, verspricht sie. In fünf Jahren sieht sie den EVB „ohne auferlegten Druck ganz weit oben“, wenngleich sie sich selbst als Illusionistin bezeichnet. „Ich wär selbst nicht so weit gekommen, hätte ich mir nicht selbst diese Ziele gesteckt“.

Wer weiß, vielleicht schafft es irgendwann eine ihrer Läuferinnen, sich den fantastischen Traum Olympischer Spiele zu erfüllen. Wie sie 2006. Irgendwie, sagt Eva-Maria Fitze und kommt zum Eingang zurück, passe der Eiskunstlauf dann doch zu ihr. Obwohl sie sehr gern professionelle Skifahrerin oder Snowboarderin geworden wäre. Sie war einfach ein sportliches Universal-Talent und das möchte sie, zusammen mit ihrer so umfangreichen Erfahrung als ehemalige Profisportlerin, nun weitergeben. Sie hat selbst bewiesen, wie schnell es gehen kann: Sieben Jahre benötigte sie, um Deutsche Meisterin zu werden. 

 

Bild: Marcela Schwaiger, Eiskunstlauf-Abteilungsleiterin beim EV Berchtesgaden, konnte die ehemalige Profi-Sportlerin Eva-Maria Fitze (links) als Trainerin für den Verein gewinnen. Foto Hans-Joachim Bittner.